Sind Vollgesichts-Schnorchelmasken gefährlich?

Vollgesichts-Schnorchelmasken stehen seit Jahren in der Kritik. Schlagzeilen über angebliche Gefahren, CO₂-Anstauung oder Atemprobleme sorgen regelmäßig für Verunsicherung. Dabei war es Christian Hanauer, Gründer von Khroom, der seit 2017 die Gefahr thematisiert, vor falsch konstruierten Schnorchelmasken warnt und gleichzeitig Lösungen aufzeigt. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Sind Vollgesichts-Schnorchelmasken gefährlich? – sondern: Unter welchen technischen Voraussetzungen sind sie sicher?

In diesem Beitrag ordnen wir das Thema sachlich ein, erklären die tatsächlichen Risiken und zeigen, worauf es bei einer sicheren Vollgesichts-Schnorchelmaske wirklich ankommt.

Warum Vollgesichts-Schnorchelmasken überhaupt in die Kritik geraten sind

Als Vollgesichts-Schnorchelmasken auf den Markt kamen, wurden sie schnell populär: freies Sichtfeld, Atmung durch Mund und Nase, kein klassischer Schnorchel im Mund. Gleichzeitig drängten jedoch zahlreiche Hersteller, insbesondere aus Fernost, ohne technisches Know-how auf den Markt.

Das Ergebnis:

  • zu klein dimensionierte Atemkanäle
  • fehlende oder unzureichende Ventilsysteme
  • keine normbasierten Prüfungen
  • Marketing-Siegel statt technischer Nachweise

Diese Kombination führte dazu, dass einzelne Modelle im realen Einsatz problematisch waren – nicht das Konzept der Vollgesichtsmaske an sich.

Die eigentliche Gefahr: CO₂-Rückatmung

Die größte technische Herausforderung bei Vollgesichts-Schnorchelmasken ist die sogenannte CO₂-Rückatmung (Pendelatmung). Sie entsteht, wenn ausgeatmete Luft nicht vollständig aus dem Maskensystem abgeführt wird und beim nächsten Atemzug erneut eingeatmet wird.

Ursachen dafür sind in der Regel:

  • fehlende Trennung von Ein- und Ausatemluft
  • nicht ventilgesicherte Ausatemkanäle
  • zu kleiner Schnorchelkanal für die Frischluft

Eine wissenschaftliche Untersuchung mit 19 Probanden zeigt, dass klassische J-förmige Schnorchel ab einem Innendurchmesser von 19,5 Millimetern nur etwa 3 bis 16 Prozent zusätzlichen Atemwiderstand erzeugen, während engere Kanäle den Widerstand exponentiell erhöhen.

Wichtig: Diese Risiken sind primär konstruktionsbedingt – die Integrität von Ventilen und Dichtungen bestimmt dabei das Rebreathing-Risiko erheblich. Eine korrekt entwickelte Maske mit funktionierenden Einatmungs- und Ausatmungsventilen verhindert genau dieses Szenario zuverlässig.

Warum nicht jede Vollgesichts-Schnorchelmaske gleich ist

Vollgesichts-Schnorchelmaske ist nicht gleich Vollgesichts-Schnorchelmaske. Entscheidend ist die innere Luftführung.

Sichere Modelle verfügen über:

  • klar getrennte Ein- und Ausatemkanäle
  • Ventile, die den Ausatemkanal beim Einatmen verschließen
  • ausreichend dimensionierte Luftkanäle
  • ein stabiles Mehrkammer-System

Sichere Vollgesichts-Schnorchelmasken verfügen über funktionsfähige separate Ein- und Ausatemkanäle mit Ventilen, die den Ausatemkanal zuverlässig beim Einatmen verschließen, sowie ausreichend dimensionierte Atemwege in einem stabilen Mehrkammer-System. Fehlen diese Merkmale, zeigen Messungen eindeutig erhöhte CO2- und reduzierte O2-Werte, was zur gefährlichen Pendelatmung führt.

Fehlen diese Merkmale, kann es zur Pendelatmung kommen – selbst dann, wenn die Maske äußerlich hochwertig wirkt.

Was normbasierte Prüfungen leisten – und was nicht

Ein zentrales Sicherheitskriterium ist die Prüfung nach europäischen Normen wie EN 136:1998. Insbesondere Abschnitt 7.18 dieser Norm definiert die CO₂-Konzentration in der Einatemluft als kritischen Messparameter, wobei der Grenzwert von 1% nicht überschritten werden darf.

Eine solche Prüfung zeigt:

  • wie effektiv die Lufttrennung funktioniert
  • ob Ventile zuverlässig arbeiten
  • ob die CO₂-Werte auch bei längerer Nutzung stabil bleiben

Ein konkretes Beispiel für normgerechte Prüfung ist der SGS-Prüfbericht für die Seaview Pro nach EN 136:1998, Abschnitt 7.18, in dem die CO₂-Konzentration in der Einatemluft unabhängig gemessen und dokumentiert wurde.

Einsehbar ist dieser Prüfbericht hier:

CO₂-Prüfung Seaview Pro (SGS-Prüfbericht, PDF)
.

Wichtig: Viele im Markt verwendete „Testsiegel“ basieren nicht auf solchen Normen, sondern auf kostenpflichtigen Marketing-Zertifikaten ohne technische Aussagekraft.

Sind Vollgesichts-Schnorchelmasken also gefährlich?

Die klare Antwort lautet: Nein – wenn sie technisch korrekt entwickelt und geprüft sind.

Gefährlich sind nicht Vollgesichts-Schnorchelmasken an sich, sondern:

  • konstruktiv fehlerhafte Modelle
  • Masken ohne Ventilsicherung
  • Produkte ohne nachvollziehbare Prüfnachweise

Richtig entwickelte Vollgesichts-Schnorchelmasken bieten im Gegenteil sogar Vorteile gegenüber klassischen Schnorchelsets: natürliche Atmung, größeres Sichtfeld, weniger Kieferbelastung und geringeres Eindringen von Wasser.

Richtige Nutzung bleibt entscheidend

Vollgesichts-Schnorchelmasken sind primär für das Schnorcheln an der Wasseroberfläche (bis ca. 3 Meter Tiefe) konzipiert. Tieferes Abtauchen ist nicht vorgesehen, da die großvolumige Luftkammer keinen klassischen Druckausgleich ermöglicht, wie er mit separaten Masken möglich ist.

Ausnahmen bilden spezielle Modelle mit integriertem Druckausgleichssystem wie z. B. die

Seaview Pro Plus

von Khroom. Dennoch bleibt der Einsatzzweck klar definiert: entspanntes Schnorcheln im Flachwasser.

Fazit: Technik statt Panik

Die Diskussion um Vollgesichts-Schnorchelmasken ist berechtigt – aber sie muss differenziert geführt werden. Pauschale Aussagen wie „Vollgesichtsmasken sind gefährlich“ greifen zu kurz.

Entscheidend sind:

  • saubere Luftführung
  • ventilgesicherte Ausatemkanäle
  • ausreichendes Luftvolumen
  • nachvollziehbare Prüfberichte

Wer diese Kriterien berücksichtigt, kann mit einer Vollgesichts-Schnorchelmaske sicher und entspannt schnorcheln. Technik, Transparenz und Prüfung sind dabei wichtiger als jedes Marketingversprechen.

In den nachfolgenden Video wird die Schnorchelmaske von Flyboo als eine solcher falsch konstruierten Schnorchelmasken analysiert und die Schnorchelmaske Seaview Pro von Khroom als Vorzeigeprodukt aufgezeigt. Besonders bei solch komplexeren Themen ist ein Video weit aussagekräftiger und leichter nachzuvollziehen.

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